Keynotes

Keynotes

 

Martina Mara
Credit: Markus Thums

Dr. Martina Mara
Key Researcher, Ars Electronica

Robo-Nannys, Robo-Taxis und warum wir eine Psychologie der Robotik brauchen  

CV

Martina Mara ist Medienpsychologin und Leiterin des Forschungsbereichs RoboPsychology am Ars Electronica Futurelab in Linz. Gemeinsam mit internationalen Partnern aus Industrie und Wissenschaft untersucht sie dabei, wie Roboter gestaltet werden können, sodass autonome Technologie als Bereicherung – nicht als Bedrohung – erlebt wird. Martina Mara hat am Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik der Universität Koblenz-Landau zur Wahrnehmung menschenähnlicher Maschinen promoviert. Sie hat an zahlreichen Universitäten unterrichtet, referiert regelmäßig bei internationalen Fachkongressen und schreibt in ihrer wöchentlichen Kolumne „Schöne neue Welt“ (Oberösterreichische Nachrichten) über brisante und amüsante Aspekte des digitalen Lebens. Seit 2017 berät sie als Mitglied des Rats für Robotik außerdem die österreichische Bundesregierung. Twitter: @martinamara
Klaus Moser

Prof. Dr. Klaus Moser
Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie, insbesondere Wirtschafts- und Sozialpsychologie
Friedrich-Alexander-Universität

Professionalisierung der Personalarbeit von Universitäten:
Realität oder Mythos?
 

Evidenzbasierte Personalarbeit ist Bestandteil erfolgreicher
Organisationen, und damit auch von Universitäten. Zwar gibt es
mittlerweile Tendenzen zur Professionalisierung der Personalarbeit,
diese besteht aber oft in einer problematischen Imitation anderer
(erfolgreicher) Organisationen. An den Beispielen Studierendenauswahl
durch Assessment Center, Professorenauswahl durch strukturierte
Interviews, Mitarbeitergespräche, Mentoringprogramme,
Mitarbeiterbefragungen und leistungsabhängige Entlohnungskomponenten
wird gezeigt, dass diese zwar (vermeintlich) generell wirksam sind,
tatsächlich aber zentrale Qualitätsmerkmale der jeweiligen Maßnahmen bei
der Umsetzung an Universitäten regelmäßig missachtet werden. Wie eigene
Studien zur Einführung von Mitarbeitergesprächen in einer Universität
und in einer Stadtverwaltung zeigten, erklären solche Qualitätsprobleme
die (berechtigte) zögerliche Übernahme von Neuerungen. Der Erfolg der
Professionalisierung der Personalarbeit von Universitäten wird davon
abhängen, ob die verantwortlichen Akteure nicht nur Instrumente der
Personalarbeit kennen und adaptieren, sondern auch profundes
personalpsychologisches Hintergrundwissen haben und anzuwenden wissen.
CV

Prof. Dr. Klaus Moser ist seit 1998 Professor für Psychologie, insbes.
Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zu seinen
Arbeitsschwerpunkten zählen Personalauswahl, -marketing und
-beurteilung, Mitarbeiterbefragungen, Organisationales Commitment,
Resilienz.

Keynotes der neuberufenen Professuren

Assoz.-Prof.in Dr.in Sylke Andreas
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Psychodynamische Psychotherapieforschung: Zum Zusammenhang von unbewussten Beziehungstests, Mentalisierungsfähigkeit und Intersession-Prozessen  
Das Konzept der Beziehungstests geht auf die psychoanalytisch-kognitive Control Mastery Theorie und Therapiemethode zurück, die von Weiss (1993) entwickelt wurde. Zentrale Annahme der Theorie und Therapiemethode ist es, dass Patienten sich in die Behandlung begeben, um ihre zentralen pathogenen Überzeugungen, unter denen sie leiden, in der therapeutischen Situation zu testen. Einzelfallanalysen konnten bislang belegen, dass ein positiv bestandener Test mit einer Verbesserung der therapeutischen Beziehung und dem Therapieergebnis zusammenhängt.

Im Vortrag werden Einzelfallanalysen von Verläufen von Patienten mit psychischen Erkrankungen in ambulanter und stationärer psychotherapeutischer Behandlung zum Zusammenhang von unbewussten Beziehungstests, der Mentalisierungsfähigkeit und den Prozessen zwischen den Sitzungen (Intersession-Prozesse) mit der therapeutischen Beziehung und dem Therapieergebnis präsentiert. Diese ersten empirischen Ergebnisse sollen vor dem Hintergrund der Optimierung von psychodynamischer Psychotherapie und modernen Strömungen wie der Mentalisierungsbasierten Psychotherapie kritisch diskutiert werden.

Dr. Timo Gnambs
Johannes Kepler Universität Linz

Moduseffekte in sozialwissenschaftlichen Befragungen  
Computer- und internetbasierte Datenerhebungsmethoden nehmen einen zunehmend dominierenden Stellenwert in sozialwissenschaftlichen Befragungen ein. Diesen Erhebungen werden verschiedene Vorteile zugeschrieben. Unter anderem wird angenommen, dass Befragte in anonymen Online-Fragebögen eher bereit sind unvorteilhafte oder sensible Informationen über sich Preis zu geben als in klassischen Interviewsituationen. Die erhöhte Privatsphäre, die internetbasierten Befragungen zugeschrieben wird, soll demnach die Tendenz zu sozial erwünschten Antworten verringern. Trotz zahlreicher experimenteller und quasi-experimenteller Studien zu dieser Annahme ist die vorliegende empirische Befundlage recht heterogen. Während manche Studien Belege für eine Reduktion sozialer Erwünschtheit in internetbasierten Erhebungen fanden, berichten andere Autoren von keinen bedeutsamen Effekten. Daher präsentiert der Beitrag einen systematischen Überblick zu Kontexteffekten in computerbasierter Befragungen und deren Effekte auf soziale Erwünschtheit.

Univ.-Prof. Dr. Roland Grabner
Karl-Franzens-Universität Graz

Mathematische Kompetenzentwicklung aus kognitiv-neurowissenschaftlicher Perspektive  
Mathematische Kompetenzen gehören zu den zentralen Fähigkeiten, die im Rahmen der Schulausbildung erworben werden. Aktuelle Befunde zeigen, dass sie für den Lebenserfolg mindestens gleich bedeutsam sind wie Lese- und Rechtschreibfähigkeiten. Vor diesem Hintergrund haben die Forschungsaktivitäten zur Entwicklung und Förderung numerisch-mathematischer Kompetenzen im Rahmen des jungen Forschungsfelds „Educational Neuroscience“ (kognitiv-neurowissenschaftliche Begabungs- und Lernforschung) stark zugenommen. In diesem Vortrag werde ich den interdisziplinären und multimethodalen Ansatz dieses Forschungsfelds beschreiben und dessen Mehrwert anhand ausgewählter empirischer Studien in der Domäne Mathematik illustrieren. Schließlich werde ich auf die Notwendigkeit eines integrativen Modells zur Entwicklung und Förderung mathematischer Kompetenzen hinweisen und einen kurzen Ausblick auf zukünftige Forschungsbestrebungen geben.

Univ.-Prof.in Dipl.-Psych. Dr.in Stefanie Höhl
Universität Wien

Face-to-face und brain-to-brain: Neue Perspektiven zur Erforschung sozial-kognitiver Prozesse in der frühen Entwicklung  
Babys und Kleinkinder sind in ihrem Lernen über die Welt und andere Menschen in hohem Maße von den Interaktionen mit ihren Bezugspersonen abhängig. Dabei sind auch Babys jedoch keine passiven Beobachter, sondern aktive Interaktionspartner. Während soziales Lernen somit von multimodalen, dynamischen und reziproken sozialen Interaktionen abhängt, wird dieser Tatsache in klassischen kognitionsneurowissenschaftlichen Studien bisher kaum Rechnung getragen. In meinem Vortrag stelle ich neue Paradigmen vor, in denen wir Babys, Kinder und Erwachsene in ökologisch validen live Interaktionen untersuchen. Insbesondere analysieren wir interpersonale Synchronisierung sowohl auf der Verhaltensebene als auch in Bezug auf neurophysiologische Oszillationen und hämodynamische Prozesse, die mit effektiver Kommunikation zwischen Erwachsenen in Zusammenhang gebracht werden konnten. Ich werde drei Projekte vorstellen, in denen wir (1) die Rolle von joint attention für die Wahrnehmung gemeinsam betrachteter Objekte testen, (2) Imitation als Mechanismus interpersonaler Abstimmung erforschen und (3) die Rolle der Interaktionsqualität zwischen Mutter und Kind beim gemeinsamen Problemlösen untersuchen.

Univ.-Prof. Dr. Urs Nater
Universität Wien

Stress and illness – psychobiological mechanisms  
The experience of stress is a ubiquitous phenomenon in human everyday life. Importantly, for the study of psychiatric and somatic disorders, stress may precipitate, exacerbate, and perpetuate psychological and physical symptoms. My talk will focus on relationships between the hypothalamic–pituitary–adrenal (HPA) axis, the efferent sympathetic–adrenomedullary (SAM) system, components of the parasympathetic system, the immune system, and how these systems interact to lead to negative health consequences. Research using stress biomarkers should favor a multidimensional approach by concomitantly measuring HPA axis, ANS, and immune system function within the same study. This approach will help to discern differential stress reactivity patterns underlying the differences and commonalities between negative health outcomes, and hopefully lead to improved diagnostic tools, treatment options, and rehabilitation possibilities.